EISHOCKEY-NACHWUCHS |
SAISONBERICHT 1999/2000 |
© Claus Karst |
Die Zeiten ändern sich, sagten schon die alten Römer. Auf Lateinisch damals, damit’s auch jeder verstehen konnte. Diese Weisheit galt zu allen Zeiten. Heute mehr denn je. In allen Bereichen, auch im Sport. Besonders im Eishockeysport, wo Änderungen von Jahr zu Jahr Quantensprünge in Reinkultur darstellen. Häufig genug muss diese Sprunghaftigkeit negativ gesehen werden. Es gibt aber durchaus auch positive Veränderungen, und damit komme ich zu meinem Jahresbericht.
In den vergangenen Jahren habe ich mir stets einige Mühe gemacht, einen ausführlichen Jahresbericht abzufassen mit Ergebnissen, Analysen, Statistiken und auch Hinweisen auf Pläne für die zukünftige Arbeit. Dieser Bericht ist allen Vereinen zugänglich gemacht worden, doch wie ich feststellen musste, gelesen hat diesen Bericht kaum jemand. Nun komme ich nochmals auf Quantensprünge zu sprechen. Der LEV NRW stellte als erster Landesverband - noch vor dem DEB(!) - eine Homepage ins Internet. Hier konnten Interessenten alles Wissenswerte erfahren, was sich im und ums Eishockey in NRW abspielte. Teilweise waren wir bei Ereignissen wie dem Schüler-Länderpokal sogar „online“ mit unserem Ergebnisdienst. Alle Wochenendergebnisse waren auch bis spätestens am folgenden Mittwoch im Netz. Schneller und besser geht’s kaum noch. Trotz eines gewaltigen Arbeitsaufwandes wurden diese Leistungen erbracht, Leistungen, gegen die andere Hockeysites teilweise direkt peinlich wirken. Mehr als 20.000 Besucher seit Januar wussten diesen Dienst zu schätzen und auch zu nutzen, worauf wir stolz sind. Ebenfalls wurde die E-Mail-Möglichkeit von Vereinen, Fans und auch Eltern immer stärker angenommen. Daher sollte diese Gelegenheit genutzt werden, um unserem Webmaster Rainer Drücker für seine vorzügliche Arbeit - besonders auch für den Eishockey-Nachwuchs - ein herzliches Dankeschön auszusprechen. Wir sind uns darüber im Klaren, dass sicherlich das Eine oder Andere noch verbessert werden kann. Daran wird gearbeitet, und Anregungen aus dem Kreis der ständig wachsenden Nutzer sind stets willkommen.
Ich denke, ich kann unter diesen Voraussetzungen auf einen Bericht in der alten Art und Weise verzichten. In einem solchen Bericht würden nur längst bekannte Ereignisse und Ergebnisse wiederholt, die immer noch im Netz vorhanden sind und herunter geladen werden können.
Ich möchte aber dennoch auf die NRW-Erfolge in der vergangenen Saison zu sprechen kommen, weil diese geradezu sensationell anmuten. Jahrelang war Bayern im Nachwuchsbereich unumstritten die Nummer 1 in Deutschland. Dann erschienen unsere Freunde im Osten auf der Bildfläche, wozu auch Berlin gezählt werden muss, und schon hatten die Bayern ernsthafte Konkurrenz. Baden-Württemberg brachte auch immer wieder starke Mannschaften hervor. NRW schwamm mit, mehr war nicht drin. Kein Leistungszentrum, keine ausreichenden Trainingsmöglichkeiten, NRW musste mit dem leben, was ging. Doch konnte uns dieser Zustand nicht befriedigen und so wurde vor drei Jahren das Projekt Zukunft ins Leben gerufen. Die Eissporthalle in Unna wurde uns vom dortigen Betreiber als Trainingszentrum angeboten, wodurch die Arbeit intensiviert werden konnte, und im Sommer gab es neue Maßnahmen und Leistungsüberprüfungen. Es wurde hart und intensiv gearbeitet. Mit einem riesigen Engagement hängte sich das Trainerteam mit Ralf Hoja, Claus Karst, Rainer Nittel, Dieter Reinartz, Andreas Niemietz und Ralf Alberts in die selbst entwickelten Aufgaben, und von Monat zu Monat wurden Verbesserungen sichtbar. Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang aber auch die gute und kooperative Arbeit der Vereinstrainer, die eine gute Grundlagenarbeit für die Erfolge geleistet haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen! NRW übernahm in der vergangenen Saison die Spitzenposition im deutschen Nachwuchshockey. Folgende Ergebnisse der Auswahlmannschaften weisen die Spitzenstellung nach:
U 17: Deutscher Meister der DEB Stützpunkte
U 15: Gewinner des Länderpokals (erstmals nach 20 Jahren!), Gewinner des Sichtungsturniers in Chemnitz, 2. Platz Sichtungsturnier in Berlin
U 14: Gute Ergebnisse, u.a. Sieg gegen Bayern
U 13: Siege gegen Baden-Württemberg
U 20 Mädchen: Hier ist eine erfreuliche Entwicklung festzustellen, die sich jedoch noch nicht durch Ergebnisse nachweisen lässt.
Auch die Ergebnisse der Vereinsmannschaften müssen bei dieser Betrachtung erwähnt werden, da sie schließlich ebenfalls einen Entwicklungsnachweis des Nachwuchshockeys in NRW darstellen:
Junioren: Deutscher Meister IEC, Vizemeister KEC
Jugend: Deutscher Vizemeister KEC
Schüler: Deutscher Vizemeister KEV, ebenfalls fürs Endturnier qualifiziert KEC
Knaben: Gewinner des Topturniers in Schwenningen KEC, 4 NRW-Vereine unter den ersten 8 Mannschaften.
Diese Ergebnisse sprechen allesamt für sich und müssen nicht weiter kommentiert werden. Es dürfte allerdings für alle Beteiligten keine leichte Aufgabe sein, an diese Erfolge anzuknüpfen oder sie sogar zu wiederholen. Die Messlatte hängt von nun an ganz schön hoch!
Überhaupt muss festgestellt werden, es tut sich was im Nachwuchsbereich! Es sind auf allen Gebieten deutliche Verbesserungen festzustellen. Wichtig war z.B., dass die U 18-Nationalmannschaft bei der WM sich hervorragend aus der Affäre zog und problemlos den Klassenerhalt im A-Pool schaffte. Allgemein genießt offensichtlich der deutsche Nachwuchs wieder einen höheren Stellenwert. Endlich werden auch vom Dachverband Konzepte vorgelegt. Ob dabei alle Neuerungen wirklich auch Verbesserungen darstellen, sei noch dahin gestellt. Es ist jedoch Bewegung in die Szene gekommen, und der langjährige Zustand der Lethargie scheint überwunden zu sein.
In der vergangenen Saison gab es in NRW wiederum einen neuen Rekord an Mannschaftsmeldungen. Auch dass passt ganz gut ins Gesamtbild.
Wenn wir auch meistens über den Leistungssport sprechen, weil damit letztendlich ein Spiegelbild unserer Arbeit darstellt wird, so darf doch nie der Bereich des Breitensportes und der sozialen Verantwortung gegenüber den heranwachsenden Jugendlichen vergessen werden. Mehr denn je müssen Sportvereine heute jedoch ihren Standort definieren und sich für ihr Angebot entscheiden. Je nach Umfeld und Engagement haben Vereine nicht immer gleich gelagerte Voraussetzungen. Es sollte kein Neid unter den Vereinen aufkommen, sondern Vereine, die sich dem Leistungssport verpflichtet haben, sollten mit denen, die eher Breitensport anbieten, zusammenarbeiten. Und natürlich umgekehrt auch, zum Wohle aller Beteiligten. Ich habe mich zwar immer dagegen gewehrt, im Sport eine Mehrklassengesellschaft zu akzeptieren, die Herausforderungen der Zukunft verlangen jedoch mehr denn je diese Trennung, um den gesellschaftlichen Ansprüchen zu genügen.
An dieser Stelle möchte ich die Platzierungen der abgelaufenen Saison in den NRW-Nachwuchsligen kurz auf einen Blick darstellen:
Junioren-Meisterschaft NRW 1. Kölner EC
2. Iserlohner EC
3.
Krefelder EV
Junioren NRW-Liga 1. Frankfurter ESC
Junioren Landesliga NRW 1. Neusser EV
Jugend-Meisterschaft NRW 1. Kölner EC
2.
Krefelder EV
3. Iserlohner EC
Jugend NRW-Liga 1. Dinslakener EV
Jugend Landesliga NRW 1. Ratinger Ice Aliens
Schüler-Meisterschaft NRW 1. Kölner EC
2. Krefelder EV
3.
Iserlohner EC
Schüler NRW-Liga 1. EC Kassel
Schüler Landesliga NRW 1. Neusser EV
Schüler Bezirksliga NRW West 1. Gelsenkirchener EC
Schüler Bezirksliga NRW Ost 1. SV Brackwede
Knaben Endrunde 1. Krefelder EV
2.
Kölner EC
3.
DEG Eishockey
Knaben NRW-Liga 1. Ratinger Ice Aliens
Knaben Landesliga NRW 1. Frankfurter ESC
Knaben Bezirksliga NRW West 1. Neusser EV
Knaben Bezirksliga NRW Mitte 1. EEC Eschweiler
Knaben Bezirksliga NRW Ost 1. Herner EV
Kleinschüler Endrunde 1. Krefelder EV
2.
Kölner EC
3.
EHC Dortmund
Kleinschüler NRW-Liga,
Gruppe 1 1. DEG Eishockey
Kleinschüler NRW-Liga,
Gruppe 2 1. Ratinger Ice Aliens
Kleinschüler Landesliga 1. Kölner EC B
Kleinschüler Bezirksliga
Endrunde 1. ESC Hamm
Kleinstschüler-Finalturnier
A 1. Krefelder EV
Kleinstschüler-Finalturnier
B 1. Kölner EC B
Allen Mannschaften ein herzlicher Glückwunsch zu den erreichten Erfolgen.
Wie alljährlich soll noch ein Blick auf die Rangliste der Top 10-Vereine in NRW geworfen werden, in der im Vergleich zum Vorjahr keine nennenswerten Verschiebungen zu verzeichnen sind:
Bei der Bewertung wurden die erreichten Platzierungen in den einzelnen Altersklassen außer bei den Kleinstschülern berücksichtigt. Köln und Krefeld führen nach wie vor souverän die Rangliste an. Düsseldorf und Iserlohn, das in den unteren Altersklassen ein wenig kränkelt, folgen. Dortmund und Essen haben fast aufgeschlossen. Ratingen hat seine frühere Position zurück gewonnen, Wiehl ist aus den Top 10 knapp ausgeschieden.
Die Vereine mit einer Punktzahl > 50 können als Leistungs-orientiert eingestuft werden, und es bleibt zu hoffen, dass bei diesen Vereinen auch die materiellen Voraussetzungen weiterhin gegeben sind oder sich sogar noch verbessern. Demzufolge stellen diese Vereine auch fast ausschließlich unsere Auswahlspieler, die naturgemäß auch auf einem höheren Niveau spielen müssen.
Trainerstab
Unser langjähriger Leistunssport-Referent Rainer Nittel wechselt zum DEB, wo eine hauptamtliche Stelle für den Damen-Nationaltrainer eingerichtet wurde. Rainer Nittel, der diese Aufgabe ebenfalls inne hat, will sich auf darauf konzentrieren, zumal die Olympia-Teilnahme winkt. Sein Entschluss ist verständlich, und ihn begleiten unsere besten Wünsche. Wir hoffen, dass er uns zumindestens teilweise als Referent in der Trainerausbildung erhalten bleibt.
Ralf Hoja, der aus beruflichen Gründen aus der Vereinsarbeit ausgeschieden ist, wird einen Großteil der Aufgaben des Leistungssport-Referenten NRW übernehmen. Er wird außerdem beim DEB verantwortlicher Trainer der U 16, so dass gerade in dieser wichtigen Altersklasse nunmehr eine Schnittstelle zum Dachverband vorhanden ist.
Folgende Aufgabenverteilung ist vorgesehen:
U 18-Stützpunkt: Ralf Hoja (Co-Trainer nach Verfügbarkeit)
U 15: Ralf Hoja (Claus Karst, Dieter Reinartz)
U 14: Claus Karst (Ralf Alberts)
U 13: Claus Karst (Ralf Alberts)
TW-Training: Andreas
Niemietz (er wird sich ganz auf diese wichtige Aufgabe konzentrieren in allen
Mannschaften)
Sommerschule Kids on Ice: Claus Karst + Trainerstab (nach Verfügbarkeit)
U 20 Mädchen Birgitt Schlesinger (Co-Trainer wird noch benannt)
Traineraus- u. fortbildung: Dieter Reinartz (Ralf Hoja + Trainerstab), externe Referenten
Wegen der großen Anzahl an Lehrgangsmaßnahmen ist geplant, den Trainerstab in Zukunft noch zu erweitern.
Traineraus- und fortbildung
Auf diesem Gebiet ist NRW weiterhin führend. Nirgendwo sonst wurden und werden so viele Trainer ausgebildet wie in NRW. Auch in diesem Sommer sind wieder rund 50 Kandidaten dabei, ihre Lizenz zu erwerben. Das Programm an Fortbildungsmaßnahmen wurde ebenfalls angenommen, was durch starke Nachfrage und Teilnahme unterstrichen wird.
Die organisatorische Leitung liegt weiterhin in den bewährten Händen von Dieter Reinartz. Ansonsten arbeitet der gesamte Stab mit, aber auch externe qualifizierte Referenten können immer wieder gewonnen werden.
Unverständlich muss inzwischen der Tatbestand angesehen werden, dass immer noch eine Reihe von Vereinen behaupten, keine Trainer zu finden. Es scheint mehr daran zu liegen, dass Interessenten nicht zusammen finden. Wir bieten auf unserer Homepage eine Kontaktbörse an. Vereine und Trainer sollten dieses Medium nutzen.
Bedauerlicherweise ist die schon lange angekündigte FTO vom DEB noch immer nicht Kraft gesetzt worden. Problemfälle, die immer wieder aufgetaucht sind, werden jedoch inzwischen danach behandelt, so dass die ordnungsgemäß lizenzierten Trainer den ihnen zustehenden Schutz genießen.
Abschießendes Nachwort in Sachen Nachwuchs
Der deutsche Nachwuchs ist besser als sein Ruf. Es wird in vielen Vereinen mit großem Engagement Nachwuchs ausgebildet. Doch sobald diese Spieler in die Senioren wechseln, lässt das Interesse an ihnen spürbar nach. Ich sehe keinen Grund für diese Handlungsweise, es sei denn die Macher der Seniorenmannschaften kennen sich in ihrem Geschäft nicht aus. Wenn ich sehe, welche Spieler in den Nordligen teilweise als „Verstärkung“ verpflichtet werden, so kann ich dies beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen. Da bieten sich häufig wirklich Alternativen aus dem deutschen Nachwuchs-Reservoir an, die wirklich eine Chance verdient hätten. Warum nur fragen diese Macher nicht einmal unsere Trainer, die jeden Spieler kennen, anstatt auf dem gesamten Erdball herum zu jetten, um drittklassiges Material einzukaufen, das sich zudem nicht mit seinem Job identifiziert. Im Süden kommen alle Auswahlspieler zumindestens in der Oberliga unter. Warum soll das im Norden nicht funktionieren?
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Kameraden, tut’s endlich!!! |
Dankeschön
Ein herzliches Dankeschön sei allen gesagt, die den Nachwuchs unterstützen, ideell und materiell. Angefangen beim Präsidium des LEV, das uns im Wesentlichen die Mittel zur Verfügung stellt, die wir für unsere Arbeit benötigen. Ein Dankeschön aber auch an alle Mitarbeiter des NRW-Nachwuchses, die einen erheblichen Teil ihrer Freizeit in die von ihnen übernommenen Aufgaben stecken.